Eigentlich sollte es ja heißen „TIS – This is Sambia“, denn die NGO/Schule „MALAIKHA – See with your hands“ befindet sich nahe der süßesten Stadt Sambias in Mazabuka. Jedoch würde ich mich zu weit hinauslehnen, wenn ich diesen Artikel so nennen würde. Getan habe ich es trotzdem und hoffe euch einen kleinen Einblick zu geben, wie es ist in Afrika mit sehbeeinträchtigen Kindern zu arbeiten und gleichzeitig einen Kultur kennenzulernen, die auch ein Jahr danach Tag für Tag ein Tagträumen verursacht, in dem man Gedanken und Erfahrenes zu ordnen versucht.

Ein „Abenteuer“ wie dieses, nämlich ein Voluntariat in einem völlig fremden Land zu machen, beginnt weitaus früher als man erwarten könnte, als ich erwartet habe. Leider kann ich euch aus der Vorbereitungszeit recht wenig schildern, da ich keine hatte, ein Moskitonetz kann jedoch nur empfehlen. Aber nun Spaß beiseite.

Da ich mein ganzes Leben im Österreichischen Bildungswesen verbracht habe und nichts anderes kannte, habe ich mehr oder weniger spontan entschieden, dass eine Weiterdenken oder Umdenken im System nur über den Weg ins Ausland führen konnte. Afrika hat mich schon immer gereizt. Die Wiege der Menschheit, der Kontrast zur westlichen Welt und vielleicht auch die Schönheit der Natur, die ich bis jetzt nur aus Film und Fernsehen kannte. Dass es schlussendlich „MALAIKHA“ bzw. Sambia geworden ist, war reiner Zufall. Aber da Stand ich nun am Flughafen in Lusaka und kurz darauf im „Transport“ nach Mazabuka wo ich die Leiterin der Schule Barbara Lechner, ebenfalls eine Österreicherin, antraf. Am nächsten Tag ging es auf die Schule wo ich die nächsten knapp 6 Monate verbringen sollte. Da zur der Zeit (September 2016) Trockenzeit war, dachte ich nicht weiter darüber nach, dass die Schule rund acht Kilometer von der nächsten asphaltierten Straße entfernt im Busch lag. Später, als ich sehr viel mit dem Schulbus unterwegs war und es Regenzeit wurde, sollte sich das „Nichtdenken“ jedoch in Kopfzerbrechen verwandeln.

Die Umstände, dass ich meine Zeit im „Busch“ verbringen werde, waren wohl die schönste Erfahrung, die ich je machen durfte. Ich durfte in einem familiären Umfeld mit den Kids zusammenleben, Strom gab es, wenn überhaupt aus Solarzellen, Wasser aus der Wasserpumpe und ich bin heute noch froh, dass ich die ersten Feuer, um zu kochen, in der Trockenzeit machen durfte. Schon bald wurde mir klar, dass ein Lehren und Lernen mit Wechselwirkung sein wird. Ich versuchte pro Tag eine Stunde Mathematik mit den Jüngeren Kindern (6-10) sowie mit den älteren Kindern (13-16) zu absolvieren. Schier unglaublich war die Wissbegierde der Kindern und Jugendlichen. Oft hatte ich auf Grund deren visueller Beeinträchtigung das Gefühl, mein Wissen nicht ausreichend zu übermitteln. Ob dem so war weiß ich bis heute nicht, doch waren sie stets dankbar für mein Bemühen. Ich hoffe, dass ich den Menschen in „MALAIKHA“  ebenfalls zeigen konnte, wie dankbar ich für das bin, was ich lernen durfte.

Dass es aber nicht nur beim Unterrichten bleiben wird, wurde nach einiger Zeit klar. Meine Kompetenzen mussten vor allem als Transporter erweitert werden, da ich der einzige mit einem gültigen Führerschein an der Schule war. Somit durfte ich unter anderem den „Headman“  dieses Areals und seine fünf Frauen kennenlernen. Von seinen beinahe 40 Kindern waren viele schon ausgezogen. Er schenkte Barbara das Land an dem heute „MALAIKHA“ steht, dafür sollten Lehrer und Kinder dem älteren Herrn danken.  Die Zeichnungen der Kids werde ich wohl nie vergessen.

Genau so wenig wie deren Statistenrollen in der Filmproduktion „I’m a witch“ in der Hauptstadt Lusaka. Vier Betreuer, darunter ich und ein weiterer Volunteer mit 14 Kindern, von denen die meisten noch nie in der Stadt waren. Die „Probleme“ und Herausforderungen, die auf einen zukommen, kann man nicht ahnen. Ich denke, dass ich mich jetzt noch nicht darauf vorbereiten kann. Aber das alles ist vergessen, als man die Kids das erste Mal Essen in einem Restaurant bestellen sieht oder wie sie das erste Mal in einem Pool schwimmen gehen. Gleichzeitig warf es mir nicht zum erstem Mal folgende Fragen auf: „Was brauche ich, um „glücklich“ zu sein?“, oder „Was braucht unsere Gesellschaft um „glücklich“ zu sein?“ und „Sind diese Fragen philosophischer Natur oder doch sehr pragmatisch?“. Findet es selbst heraus.

Anfangs war ich jedenfalls mit der kulinarischen Monotonie nicht sehr glücklich, was sich jedoch bald in Freude ändern sollte. Denn wurde einmal was anderes als „Nshima“ (Maismehl mit Wasser) serviert, war ich glücklich. So viel zum letzten Absatz des Artikels. Ein Mysterium wird die Vorliebe der Kids für „Nshima“ aber immer für mich bleiben. Bedenkt man jedoch, dass eine Reise in die nächstgelegene Stadt (40Km) einen Tag beansprucht, so gibt man seine Essgewohnheiten gerne auf. Außerdem möchte ich den Verzehr von „Bushmeat“  oder Insekten ebenfalls nicht missen. Außerdem werde ich einen Satz der Köchin „Pink Rose“ zu einem anderen Volunteer nie vergessen: „Do you live for eating or do you eat for living?“

Und um ganz ehrlich zu sein, ich möchte nichts von all dem missen. Ich weiß nicht, ob ich sagen kann, dass es mich verändert hat, ob ich sagen kann, dass ich dadurch reifer geworden bin, oder ob ich sagen kann, dass ich reicher an Erfahrungen bin. Definitiv sagen kann ich, dass es meine Blickwinkel, meine interkulturellen Kompetenzen und meine Motivation zumindest verändert hat. Wohl kaum hätte ich sonst ein Festival namens „ASHtival“ mit Freunden ins Leben gerufen, um dabei 2200€ an Spendengeldern zu sammeln, oder eine Sampler namens „BURN THE BORDERS“ der sich mit Asyl beschäftigt ins Leben gerufen, um genau dieses Festival zu unterstützen.

Ich weiß aber auch nicht, ob ich es jetzt genau so mach würde. Diese Frage ist natürlich obsolet, denn ich alles ist nun schon Geschichte, sie wird mich jedoch so lange beschäftigen, bis ich an diesen Ort zurückkehre. Das einzige was ich nun weiß ist, dass dieses Abenteuer nicht im Flugzeug beginnt, sondern damit sich ein richtiges Visum zu besorgen, um nicht zwei Tage am „Immigration Office“ zu verbringen und somit auch den regionalen Verwaltungsapparat unfreiwillig bis ins letzte Detail kennenlernt.

TIS – This is Sambia by Georg Glasl